Sonntag, 9. November 2014
14 – 18 Uhr

CALLzine II Release

Mit Konzerten und Lesungen von
Anik Lazar
Chloe Stead
Claudia Zweifel
Jentle ben (https://soundcloud.com/jentle-ben)
Marie Rotkopf

 

Es wird ein Shuttle vom Bahnhof Itzehoe nach Hohenlockstedt angeboten, der nach Voranmeldung (info@arthurboskamp-stiftung.de) von der NOB abholt, die um 14:20 in Itzehoe ankommt.
Rückfahrt nach Absprache.

CALL „Stein In My Mind“ mit freundlicher Unterstützung der Karl H. Ditze-Stiftung

„Eine der edelsten Koniferen – auch für den kleinsten Garten.
Sie könnten auch gleich eine Fernsehantenne pflanzen.“

Wenn man die Qualität ausrottet, wird die Sehnsucht nach Unmittelbarkeit unbewusst und unwillkürlich demselben Geist folgen, gegen den sie sich wendet?

Zu Ende neigte
Die Alte Welt sich.
Der lustige Garten
Des jungen Geschlechts
Verwelkte
Und hinaus
In den freyeren Raum
Strebten die erwachsenen
Unkindlichen Menschen.
Verschwunden waren die Götter.
Einsam und leblos
Stand die Natur
Entseelt von der strengen Zahl
Und der eisernen Kette
Gesetze wurden.

All Eyes Are On Me – Oliver Bulas
Samstag, 25. Oktober 2014
12 – 13 Uhr in Hohenlockstedt

Treffpunkt:
M.1, Breite Str. 18, 25551 Hohenlockstedt

„Housing developments as an architectural phenomenon […] exist apart from prior standards of ‚good‘ architecture. They were not built to satisfy individual needs or tastes. The owner is completely tangential to the product’s completion. Both architecture and craftsmanship as values are subverted by the dependence on simplified and easily duplicated techniques of fabrication and standardized modular plans.“
Dan Graham „Homes For America“

 

Café Baltic Bar @ M.1 Arthur Boskamp-Stiftung
wird gefördert vom
Ministerium für Justiz, Kultur und Europa des Landes Schleswig-Holstein

  1. CALL Office, Foto: Michael Pfisterer
  2. CALL Office, Foto: Michael Pfisterer
  3. Verena Issel, o.T. (female career), 2012, Foto: Michael Pfisterer
  4. Installationsansicht CALL 2014 (Carola Deye: gelbes T / Sorry / große Umarmung, 2013; Astrid K. Nylander & Stine Ølgod: EXPT, 2014; Ida Lennartsson), Foto: Michael Pfisterer
  5. Anna Steinert, Adam, 2011, Installationsansicht CALL 2014, Foto: Michael Pfisterer
  6. Ida Lennartsson, Untitled, 2011, Installationsansicht CALL 2014, Foto: Michael Pfisterer
  7. Installationsansicht CALL 2014 (Ida Lennartsson; Carola Deye: Tonne / Training, 2012; Anna Mieves), Foto: Michael Pfisterer
  8. Anna Mieves, o.T., 2012, Foto: Michael Pfisterer
  9. Installationsansicht CALL 2014 (Anik Lazar: Hard Candy Broken, 2014; Anne Cathrin Ulikowski: Cool Girl / bilateral trade, 2014), Foto: Michael Pfisterer
  10. Gitte Jabs & Ida Lennartsson, Bett set, 2014, Foto: Michael Pfisterer
  11. Installationsansicht CALL 2014 (Astrid K. Nylander & Stine Ølgod: Hit by Spiderman, 2014; Gitte Jabs & Ida Lennartsson), Foto: Michael Pfisterer
  12. Jessica Halm, Stuffing, 2014, Installationsansicht CALL 2014, Foto: Michael Pfisterer
  13. Installationsansicht CALL 2014, Foto: Michael Pfisterer
  14. Installationsansicht CALL 2014 (Roseline Rannoch: Untitled (Missing Link), 2013; Claudia Zweifel), Foto: Michael Pfisterer
  15. Claudia Zweifel, Elemente einer Erfindung, 2014, Foto: Michael Pfisterer
  16. Jennifer Bennett, Es können auch mehr als Zwei sein, 2014, Foto: Michael Pfisterer

ACHTUNG: AUSSTELLUNGSLAUFZEIT VERLÄNGERT BIS ZUM 9. NOV. 2014.
Am Sonntag, den 9.11. wird das CALLzine # 2 präsentiert.

Weitere Informationen zur Veranstaltung folgen.

 

FÖRDERPREISTRÄGER_INNEN 2014
31. August – 09. November 2014

Am Sonntag, den 31. August 2014 um 15 Uhr eröffnen die Ausstellungen von

CALL
Stein In My Mind
J. Bennett, J. Böttger, C. Deye, J. Halm, V. Issel, G. Jabs, A. Lazar, I. Lennartsson, A. Mieves, A.K. Nylander, S. Ølgod, R. Rannoch, A. Steinert, A.C. Ulikowski, C. Zweifel, u.A.

CALL ist eine Plattform für verschiedene Formate in wechselnden Personenkonstellationen: Ein gleichnamiges Magazin, eine Veranstaltung in einem Boxring auf der Hamburger Reeperbahn, Vorträge, Texte und Ausstellungen. Die gemeinsame Grundlage ist der Ausruf „Kunst und Feminismus“!

In den letzten Monaten hat CALL sein Hauptquartier nach Hohenlockstedt verlegt, wo eine neue Ausgabe des Magazins Form annimmt. Mit der Ausstellung „Stein In My Mind“ öffnet Call die Türen und neben Werken der einzelnen Künstlerinnen geben Redaktionsbüro und ein „Bett-Set“ für einen potentiellen Porno-Dreh einen Vorgeschmack auf CALLzine #2.

 

Mit freundlicher Unterstützung der Karl H. Ditze-Stiftung

  1. Installationsansicht Tonio Kröner 2014, Foto: Michael Pfisterer
  2. Tonio Kröner, ohne Titel, 2014, Foto: Michael Pfisterer
  3. Installationsansicht Tonio Kröner 2014, Foto: Michael Pfisterer
  4. Tonio Kröner, corner of something 7, corner of something 8 (standby), corner of something 31 & ohne Titel, alle 2014, Foto: Michael Pfisterer
  5. Tonio Kröner, ohne Titel, 2014 & corner of something 19, 2014, Foto: Michael Pfisterer
  6. Tonio Kröner, ohne Titel, 2014 & corner of something 19, 2014, Foto: Michael Pfisterer
  7. Tonio Kröner, ohne Titel, 2014, Foto: Michael Pfisterer
  8. Tonio Kröner, ohne Titel, 2014 & corner of something 19, 2014, Foto: Michael Pfisterer
  9. Tonio Kröner, ohne Titel, 2014, Foto: Michael Pfisterer

und

Tonio Kröner
i hate my village

(Nahe der US-Mexikanischen Grenze, 1984)
¡Mira mira! ¡Viene la tormenta!
What did he just say?
He said there is a storm coming.
I know.

Die Fenster der Ausstellungshalle sind mit Folie verdunkelt, künstliche Beleuchtung fehlt. Der Stumpf eines übergroßen Arms hängt unter der Decke. Der übliche Durchgang zur Empore ist von einer Wand versperrt, die vier übergroße Weisheitszähne einklemmt. Zutritt ist barrierefrei über den Fahrstuhl möglich. Auf der Empore steht die zum Stumpf gehörende übergroße Hand. Ringsum wiederholt sich in Öl auf groben Leinwänden eine unbestimmte fleischfarbene Silhouette. Extrahierte, fragmentierte Teile ziehen sich in das Refugium der Ausstellungsräume zurück und schotten sich ab. Die Gesten gehen jedoch nicht in den Dimensionen eines Innens und seiner Möblierung auf. Sie skalieren menschliche Dimensionen zum Monument eines digitalen, öffentlichen Raums.

There is a storm coming? You are already in it.

 

Tonio Kröner (*1984) hat an der Städelschule in Frankfurt und der Akademie der bildenden Künste in Wien studiert. Derzeit lebt er im Rahmen des WIELS Residency Program in Brüssel.

  1. Installationsansicht, Golden Arbeit, 2014, Foto: Michael Pfisterer
  2. Installationsansicht, Golden Arbeit, 2014, Foto: Michael Pfisterer
  3. Installationsansicht, Golden Arbeit, 2014, Foto: Michael Pfisterer
  4. Installationsansicht, Golden Arbeit, 2014, Foto: Michael Pfisterer
  5. Installationsansicht, Golden Arbeit, 2014, Foto: Michael Pfisterer
  6. Installationsansicht, Golden Arbeit, 2014, Foto: Michael Pfisterer
  7. Installationsansicht, Golden Arbeit, 2014, Foto: Michael Pfisterer
  8. Installationsansicht, Golden Arbeit, 2014, Foto: Michael Pfisterer
  9. Installationsansicht, Golden Arbeit, 2014, Foto: Michael Pfisterer

„Golden Arbeit“
Babak Behrouz, Eva Könnemann, Nick Koppenhagen, Marco Kunz, Katja Lell, Laura Nitsch
1. – 29. Juni 2014

Eröffnung: Sonntag, 1. Juni 2014 um 14 Uhr
Begrüßung um 14.15 Uhr
Screening um 14.30 Uhr

Mit der Ausstellung „Golden Arbeit“ präsentieren Babak Behrouz, Nick Koppenhagen, Eva Könnemann, Marco Kunz, Katja Lell und Laura Nitsch im M.1 die gleichnamige, mehrteilige (Video-)Installation zu ihrem Filmprojekt „Material Beton“. Über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren haben sie das Unterfangen erprobt, kollektiv einen Film zu machen, der auf verschiedenen Ebenen von sich selbst und von den Dynamiken, von Austausch, Kritik und Integration der verschiedenen Persönlichkeiten, Ansätze und Perspektiven handelt.

Am 1. Juni fährt ein Shuttle von Hamburg nach Hohenlockstedt und zurück.Bei Interesse bitte Email an: buero(at)arthurboskamp-stiftung.de

Eine Café Baltic Bar-Veranstaltung.
Mit freundlicher Unterstützung des Ministeriums für Justiz, Kultur und Europa des Landes Schleswig-Holstein.

Ernst Barlach, Der Lesende Klosterschüler, Installationsansicht M.1 2014, Leihgabe: Ernst Barlach Stiftung, Güstrow

Alfred Andersch „Sansibar oder Der letzte Grund“ & „Der lesende Klosterschüler“ von Ernst Barlach
am
Freitag, den 30. Mai 2014
um 19 Uhr

Eine Ausstellung für einen Abend,
eine Lesung für den „Lesenden Klosterschüler“,
eine Lesung mit dem „Lesenden Klosterschüler“.

Es liest Mechtild Hobl-Friedrich.

Wir freuen uns sehr, dass uns die Ernst Barlach Stiftung Güstrow es ermöglicht, für einen Abend den „Lesenden Klosterschüler“ von Ernst Barlach nach Hohenlockstedt zu holen und das Buch beim Wort zu nehmen:
Eine Lesung aus Anderschs „Sansibar“ muss sich notwendig um Barlachs „Lesenden Klosterschüler“ drehen. Die Geschichte kreist um seine plastische Anwesenheit, seine die Nationalsozialisten beunruhigende Präsenz.

Eintritt frei.
Wir freuen uns über eine kleine Spende.

Eine Café Baltic Bar-Veranstaltung.
Mit freundlicher Unterstützung des Ministeriums für Justiz, Kultur und Europa des Landes Schleswig-Holstein.

6. April – 25. Mai 2014
Renner, Sdun (Cézanne)

Die Vergleichbarkeit von Äpfeln und Händen (oder vielleicht vielmehr Gesten) kann bestritten werden.
Auf der einen Seite die Fotografien Volker Renners – Auskopplungen eines Fotojobs während des Grand Prix d’Eurovision 2011, auf der anderen Seite Zeichnungen und Aquarelle Cézannes, das sind die Komponenten, aus denen diese fixe Idee erwachsen ist, zu der Nora Sdun in Textform einen Beitrag leistet.

 

Volker Renner / Cézanne / Hohenlockstedt
Nora Sdun

Diese Fotos von hochgereckten Händen wurden während der Proben zum Eurovision Song-Contest 2011 gemacht. Ein dem Wahnsinn zugeneigter Blogger beauftragte den Fotografen Volker Renner damit, die Proben zur Veranstaltung zu Fotografieren. Nach absolviertem Job, bestimmte Volker Renner dann diese Ausschnitte der Fotos die heute hier zu sehen sind und übrigens auch in einem Bilderbuch, was hier irgendwo liegt und zu erwerben ist.
Diese Abbildungen verlassen damit den Bereich der Auftragsarbeit. Es handelt sich also nicht nur um eine Weiterverwertung bereits bestehenden Materials, sondern vermutlich auch um eine Methode den traumatischen Begebenheiten einer solchen Songcontest-, Hysterie- und Größenwahnveranstaltung, Herr zu werden.

„Ausdruck entkräftet die Macht des Impulses“, schreibt Adorno, und tatsächlich kreischen Tausende auch auf diesen Song-Contest-Konzerten und reißen ihre Hände in die Luft. Diese unmittelbare, bei wahrer Empathie schwer zu kontrollierende Geste, wird im Showbusiness routiniert und völlig kontrolliert zum Einsatz gebracht, als selbstverständliches aber völlig hohles Zeichen der Begeisterung. Es funktioniert, bei aller Hohlheit, trotzdem. Es wird geprobt. Eine stramme Choreografie von Fingerspreizungen, Handgelenkswinkeln und nicht zu vergessen Arm und Schulter Haltungen müssen dargeboten werden.
Dabei reicht die Ausdruckspalette von der kämpferisch geballten Faust, über Victory-Vs, allerlei Geheimzeichen, Hang-Loose, Devils Horns, bis zum Balinesischen Tempeltanz. Die Faust, auch als Kommunistenfaust bekannt, wird im Pop-Kontext üblicherweise eingesetzt wenn von Freiheit oder Gerechtigkeit gesungen wird. Devils Horns kommen vor allem bei Metall-Gruppen zum Einsatz, … was soll ich sagen, ich kenne mich nicht aus.
Entscheidend ist lediglich, dass die Sänger einzelnd oder als Gruppe, diese Gesten in enger Absprache verwenden, so dass nicht einer im Team eine rasende Widerstandsfaust ballt wenn der andere gerade zum elegischen Schwanengesang anhebt.
Bemerkenswert an diesen Bildausschnitten ist, wie geistvoll diese Hände auf den ersten Blick scheinen, irgendwie sinnerfüllt, inspiriert (Schiller hatte ja angeblich faule Äpfel in der Schreibtischschublade liegen um sich von dem Geruch inspirieren zu lassen) … also geistvoll sehen diese Hände aus, obwohl man weiß, dass es erstens: eine Probe ist (Volker Renner Fotografierte ja nicht beim entscheidenden Kampfsingen sondern zuvor), und zweitens: dass es absichtliche, kontrollierte Gesten sind, die vor allem theatralischen Kriterien genügen müssen.
Es herrscht Ausdruckszwang.
Singen allein reicht nicht und ist für Bilder ohnehin uninteressant.
Also: Starke Expression ist gefragt, die penetrant und aggressiv zur Geltung gebracht wird dabei aber sonderbar überlegt und berechnend ist. Woher kennt man das? Aus manieristischen Kunstwerken aller Epochen.
Der Manierismus versammelt eine ganze Menagerie von Paradoxien. Die Sehnsucht nach etwas Durchgeistigtem bei gleichzeitiger Starrheit, ist nur einer dieser Widersprüche, und der lässt sich getrost auch den Teilnehmern des Song-Contest unterstellen, das zeigen die einzelnen Hände vielleicht noch deutlicher als es eine Aufnahme des Ganzen Starkörpers zeigen könnte.
Irgendeine herbeiphantasierte Erfüllung und sinnliche Gewissheit ist angepeilt, während man in einer immer gleichlaufenden, ausgesprochen profitorientierten Maschine versucht Karriere zu machen, und zwar indem man versucht so Stereotyp zu sein wie möglich. Das ist natürlich herzzerreißend widersprüchlich.
Ähnlich herzzerreißend liest sich ein Brief von Rainer Maria Rilke an seine Frau Clara Rilke, der er 1907 beschrieb wie Cézanne seiner Meinung nach arbeitete:

„Dieses Aufbrauchen der Liebe in anonymer Arbeit; woraus so reine Dinge entstehen, ist vielleicht noch keinem so völlig gelungen wie dem Alten (also Cézanne); seine mißtrauisch und mürrisch gewordene innere Natur unterstützte ihn darin. Er hätte gewiß keinem Menschen mehr seine Liebe gezeigt, so er eine hätte fassen müssen; aber mit dieser Anlage, die durch seine abgesonderte Wunderlichkeit ganz ausentwickelt worden war, wandte er sich nun auch an die Natur und wußte seine Liebe zu jedem Apfel zu verbeißen und in dem gemalten Apfel unterzubringen für immer.“

Man muss sich hier einen mürrischen Mann vorstellen, der für den sozialen Umgang ganz untauglich geworden ist und selbst die Dinge und die Natur nicht zu schätzen scheint, und dieser trachtet nun danach die ganze bisher nicht von ihm abgegebene Liebe in die Malerei zu versenken, vorzugsweise in Bilder von Äpfeln.
Cézanne starb an einer Erkältung, die er sich, auf freiem Feld malend, bei einem Gewitter zugezogen hatte.
Wir haben es bei den Händen wie bei den Äpfeln also mit zwei Varianten manieristischer Kunst zu tun – nicht interessiert an schlichten, oder soll man sagen einleuchtenden Entwicklungsprozessen.
Damit mein Vortrag jetzt nicht kompliziert wird, sondern nur wirr bleibt, hänge ich jetzt eine lose Folge von Bildgeschichten an, in denen Hände und Äpfel eine gewichtige Rolle spielen, die also geeignet sind diese beiden Bestandteile, die in dieser Ausstellung auf sonderbare Weise zusammengekommen sind, zu betrachten.
Denn im Grunde ist es ganz einfach: Hände greifen nach Äpfeln, ob sie am Baum hängen oder im Supermarkt liegen, es ist ein sehr einfaches aber weit verbreitetes Vorgehen.
Da wäre zunächst der Sündenfall und die Erschaffung Adams.
Auf Michelangelos Bild „Die Erschaffung Adams“ sehen wir einen nackten Mann mit deutlich ausgeprägtem Adamsapfel. Michelangelo hält sich damit nicht an die korrekte Reihenfolge, denn bei seiner Erschaffung hatte Adam noch keinen Adamsapfel. Den hat sich der gute Mann erst später zugezogen. Und zwar kurz vor dem Rausschmiss aus dem Paradies, in Begleitung und nach Aufforderung von Eva die ihm eben den Apfel vom Baum der Erkenntnis reichte, der ihm wenig später im Hals stecken blieb.
Jeder Adamsapfel erinnert also bis auf den heutigen Tag an den Sündenfall, ist sozusagen eine letzte Korrektur Gottes bei der Erschaffung und Ausgestaltung des Menschengeschlechts, vielleicht eine Art kecke Signatur.
Menschheitsgeschichtlich früher als die biblische Geschichte sind auch Höhlenmalereien von Händen mit gespreizten Fingern aktenkundig. Rund 40.000 Jahre sind diese Handabdrücke alt, auch diese sind vermutlich Signaturen.
Ob es sich bei der verbotenen Frucht im Paradies überhaupt um einen Apfel gehandelt hat wird in Fachkreisen kontrovers diskutiert. Das tut aber nichts zur Sache, da sich für die Malereigeschichte der Apfel als Motiv durchgesetzt hat.
Der Aufbau dieser Frucht hat Paracelsus zu einer Analogiebildung von Apfel Mensch und Universum angeregt, was wiederum Rudolf Steiner dankbar aufgenommen hat, wie auch viele andere Pädagogen, weshalb vermutlich diese Frucht in jedem gottverdammten Kinderbuch vorkommt. Von der „Raupe Nimmersatt“ bis zu „Schneewittchen“, bei der sich übrigens Adams Problem, also die Sache mit dem Verschlucken an der verbotenen Frucht wiederholt.
Auf sehr vielen Darstellungen der Maria mit dem Jesusknaben, hält der Säugling einen Apfel in der Hand. Ein gutes Zeichen dafür, dass dieser Knabe die Erbsünde für die gläubigen Christen, aber auch für alle anderen, Überwinden wird.
Dann gibt es noch (ich wechsel jetzt mal die Weltanschauung) die Geschichte mit dem Paris-Urteil. Und die soll den Begriff des „Zankapfels“ in Umlauf gebracht haben. Die Geschichte spielte sich ab wie folgt:
Alle griechischen Götter sind bei einer Hochzeit eingeladen, ausgenommen Eris, die „Göttin der Zwietracht“. Beleidigt, wirft sie von der Tür aus einen goldenen Apfel mit der Aufschrift kallistá („Der Schönsten“, „Für die Schönste“) unter die feiernden Götter. Daraufhin kommt es zum Zank zwischen Aphrodite, Pallas Athene und Hera, wem dieser Apfel gebühre. Zeus bestimmt den sterblichen Jüngling Paris, als Schiedsrichter. Um Paris für sich zu gewinnen, versucht jede der Göttinnen, ihn zu bestechen. Hera verspricht ihm Herrschaft über die Welt, Athene verspricht Weisheit, Aphrodite bietet dem jungen Mann die Liebe der schönsten Frau der Welt. Mit dieser Belohnung kann Aphrodite das Urteil für sich entscheiden. Diese schönste Sterbliche, Helena, war jedoch bereits mit Menelaos, dem König von Sparta, verheiratet. Dieses Versprechen und der zur Erfüllung notwendige Raub der Helena soll dann der Auslöser des Trojanischen Krieges gewesen sein.
Dieser Schönheitswettbewerb der Göttinnen hat durchaus Ähnlichkeiten mit Wettbewerben heutiger Tage, und sei es dieser Singewettstreit.
Cézanne hat auch so ein „Parisurteil“ gemalt, das Bild von ihm ist aber nicht so berühmt geworden wie seine Äpfel.
In der Malereigeschichte tauchen die drei um den Apfel zankenden Damen in leichten und immer leichteren Gewändern bis zu völliger Nacktheit zur Urteilsverkündung an, so dass der Eindruck entsteht, diejenige die am wenigsten am Leib trägt bekommt den Gold-Apfel. Wie man also konstatieren kann, bestimmte Bildmotive sind vor allem interessant, weil man Nackte abbilden kann und nicht etwa weil sie so gehirnerschütternde Erkenntnis versprechen. In Goethes „Faust“, sind Äpfel ganz klar mit weiblichen Brüsten assoziiert, es heißt dort unverblümt, und die ganze Sündenfallgeschichte noch einmal neckisch zitierend:
Der Äpfelchen begehrt ihr sehr,
Und schon vom Paradiese her.
Von Freuden fühl ich mich bewegt,
Daß auch mein Garten solche trägt.
Im „Hohen Lied“ Salomos muss der Apfelbaum mit seinen Früchten ähnlich vegetativen Bedürfnissen sekundieren.
Dann gibt es noch die Äpfel der Hesperiden, sie wurden von Herkules geklaut (eigentlich von Atlas, aber die Geschichte dauert zu lang) jedenfalls waren die Äpfel
nach kurzer Zeit wieder an ihren angestammten Platz im Garten der Hesperiden, und es waren vermutlich keine Äpfel sondern Zitrusfrüchte, jedenfalls sind sie golden, und verleihen oder verliehen den Göttern ewige Jugend.
Ewige Jugend ist natürlich sehr wichtig für den Song-Contest, und weil diese ewige Jugend eben nicht zu haben ist, möglicherweise eine der vielen Bestrafungen die wegen des unerlaubten Apfel-Essens vom Baum der Erkenntnis auch uns alle umtreibt, zwar nicht ganz so hysterisch wie auf dem Song-Contest, aber doch merklich.

Das Äpfel unbedingt immer geklaut werden müssen, also verboten sind, hallt bis heute nach in dem Refrain der Hamburger Hymne (ich kann kein Platt zitiere hier also falsch): Klaun, klaun, Äppel wüllt wi klaun, ruck zuck övern Zaun, Ein jeden aber kann dat nich, denn er muss aus Hamburg sein.
Ein Reichsapfel ist ein Machtinsignium und ist kurz gesprochen ein Globus mit einem Kreuz. Er wird zu feierlichen Gelegenheiten in der Hand des Herrschers herumgetragen und führt mich zu meiner letzten Assoziation.
Es ist eine der schönsten Vokabeln für die hier zu betrachtende Bildkombination von Gesten und Äpfeln, nämlich: der „Handapfel“.
Man muss sich darunter das Himmelsgewölbe, als haltende Hand Gottes vorstellen. Einen unermesslich großen, hohen und kugelrunden Handapfel eben.
Eine Vorstellung die das Pathos der Gesten auf diesen Fotos geradezu zurückhaltend erscheinen lässt.

Material Beton
Babak Behrouz, Eva Könnemann, Nick Koppenhagen, Marco Kunz, Katja Lell, Laura Nitsch

2 1/2 Jahre haben die sechs Künstler an dem Filmprojekt „Material Beton“ gearbeitet, mit dem sie das Unterfangen erprobten, gemeinsam einen Film zu machen. Gedreht wurde im Sommer 2012 neun Wochen lang in Havelberg.

Vom 24. Mai bis zum 9. Juni 2013 waren sie im M.1 zu Gast, um an der Fertigstellung des Films zu arbeiten. Der Arbeitsaufenthalt im M.1, gefördert vom Ministerium für Bildung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein, war nicht öffentlich.
In diesem Jahr wird es nun eine Präsentation des Projektes in Hohenlockstedt geben.

Einen weiteren Trailer gibt es hier: http://vimeo.com/85979345

Donnerstag, 27. Februar 2014
19:30 Uhr
Vortrag von / Gespräch mit
Krist Gruijthuijsen über Raivo Puusemp und sein „Rosendale Project“

1975 wurde Raivo Puusemp (*1942) Bürgermeister von Rosendale (New York). Die Stelle hatte er drei Jahre inne, um am Ende die Verwaltungsstruktur des Dorfes und seine eigene, quasi ehrenamtliche Position als Bürgermeister in eine größere Gemeinde aufzulösen.
Raivo Puusemp hat in den 1960ern Kunst studiert, lebte einige Zeit in New York und entschied sich Ende der 60er Jahre nördlich von New York in die Nähe von Rosendale zu ziehen. Auch wenn es vielleicht nicht die Grundidee war, wurde aus seiner Position als Bürgermeister von Rosendale nach und nach (oder mehr und mehr) das „Rosendale Project“, ein öffentliches Kunstwerk.
Das wirft Fragen auf – wovon eine die Verbindung zu den von Puusemp so benannten „Influence Pieces“ (zu deutsch etwa „Beeinflussungsarbeiten“) ist, die er im New Yorker Kunstkontext begann, als er merkte, dass man Menschen beeinflussen und dazu bringen könne, Dinge zu tun.

Krist Gruijthuijsen (*1980, NL), Gründungsdirektor des Kunstverein Amsterdam und seit 2012 Künstlerischer Leiter des Grazer Kunstverein, hat die Ausstellung „Raivo Puusemp – Dissolution“ kuratiert, die 2012/13 im Project Arts Centre in Dublin, im Grazer Kunstverein und im Utah Museum of Contemporary Art, Salt Lake City zu sehen war. Seine Arbeit konzentriert sich auf die Komplexität der Rolle des Künstlers als soziale, politische und zugleich davon unabhängige Person innerhalb der Gesellschaft.

Eine Café Baltic Bar-Veranstaltung im M.1.

Bei Bedarf organisieren wir gerne den Transfer vom / zum Bahnhof (Wrist/Itzehoe).
Anfragen per Email an info@arthurboskamp-stiftung.de oder per Telefon unter 04826-850110.

 

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Thursday, February 27th, 2014
7:30 pm
Lecture by / Talk with
Krist Gruijthuijsen on Raivo Puusemp and his „Rosendale Project“

Raivo Puusemp was elected mayor of Rosendale (New York) in 1975. After three years he dissolved the town’s political structure including his own position into a larger community.
Puusemp studied art in the 1960ies, lived in New York for some time and then moved north to the vicinity of Rosendale. It might not have been his idea in the beginning, but during the time he held the position of mayor of Rosendale, it turned more and more into the „Rosendale Project“, a public work.
This provokes some questions – one of them is the close connection with what Puusemp called his „Influence Pieces“ which he started in New York after discovering that people could be influenced to do things.

Krist Gruijthuijsen (*1980, NL), founding co-director of Kunstverein Amsterdam, and since 2012 artistic director of Grazer Kunstverein, curated the exhibition „Raivo Puusemp – Dissolution“ 2012/13 at the Project Arts Centre, Dublin, the Grazer Kunstverein, and the Utah Museum of Contemporary Art, Salt Lake City. His work concentrates on the complexity of the role of the artist taking a social, political and yet at the same time an independent position within society.

A Café Baltic Bar-event at M.1

  1. Natalie Häusler, Impressionnisme, 2013, Foto: Michael Pfisterer
  2. Natalie Häusler, Impressionnisme, 2013, Foto: Michael Pfisterer
  3. Natalie Häusler, Impressionnisme, 2013, Foto: Michael Pfisterer
  4. Natalie Häusler, Impressionnisme, 2013, Foto: Michael Pfisterer
  5. Natalie Häusler, Impressionnisme, 2013, Foto: Michael Pfisterer
  6. Natalie Häusler, Impressionnisme, 2013, Foto: Michael Pfisterer
  7. Natalie Häusler, Impressionnisme, 2013, Foto: Michael Pfisterer
  8. Natalie Häusler, Impressionnisme, 2013, Foto: Michael Pfisterer
  9. Natalie Häusler, Impressionnisme, 2013, Foto: Michael Pfisterer
  10. Natalie Häusler, Impressionnisme, 2013, Foto: Michael Pfisterer
  11. Natalie Häusler, Impressionnisme, 2013, Foto: Michael Pfisterer
  12. Natalie Häusler, Impressionnisme, 2013, Foto: Michael Pfisterer
  13. Natalie Häusler, Impressionnisme, 2013, Foto: Michael Pfisterer
  14. Natalie Häusler, Impressionnisme, 2013, Foto: Michael Pfisterer

FÖRDERPREISTRÄGER_INNEN 2013
24. November 2013 – 19. Januar 2014

Sonntag, den 24. November 2013 um 15 Uhr eröffnen die Ausstellungen von

NATALIE HÄUSLER
Impressionnisme

[…] Three heads swim
in a sea of fire in front of a field with
eight apple trees. This painter just can’t
stop painting the painting. This is a joke
from 1855. Spleen. Venus et Psyche […]

Das Prosagedicht „Impressionnisme“, 24 Malereien mit Holzschnitt – eine für jede Stunde des Tages – und die Tonaufnahmen einer Soundcollage sind während eines sechsmonatigen Aufenthalts in Paris entstanden. Sie sind eine Analyse dessen, was verlebte Zeit an faktischem Inhalt und Material enthält.

  1. Philip Gaißer, o.T. (Sonnenberg), 2013
  2. Philip Gaißer, The Ground is Mine the Sky is Yours, 2013 (Installationsansicht)
  3. Philip Gaißer, The Ground is Mine the Sky is Yours, 2013 (Installationsansicht)
  4. p Gaißer, HTSABHWWD, 2013
  5. Philip Gaißer, o.T. (Telemetry Signal 1957), 2013
  6. Philip Gaißer, o.T. (Telemetry Signal 1957), 2013
  7. Philip Gaißer, o.T. (Telemetry Signal 1957), 2013
  8. Philip Gaißer, The Ground is Mine the Sky is Yours, 2013 (Installationsansicht)
  9. Philip Gaißer, The Ground is Mine the Sky is Yours, 2013 (Installationsansicht)
  10. Philip Gaißer, The Ground is Mine the Sky is Yours, 2013 (Installationsansicht)
  11. Philip Gaißer, Made by Cactus Tactical Supply, 2013
  12. Philip Gaißer, Made by Cactus Tactical Supply, 2013
  13. Philip Gaißer, The Ground is Mine the Sky is Yours, 2013 (Installationsansicht)
  14. Philip Gaißer, o.T. (Arizona Retirement Park), 2013
  15. Philip Gaißer, o.T. (für Wjatscheslaw Michailowitsch), 2013
  16. Philip Gaißer & Mikka Wellner, Resonanz, 2013
  17. Philip Gaißer & Mikka Wellner, Resonanz, 2013
  18. Philip Gaißer & Mikka Wellner, Resonanz, 2013
  19. Philip Gaißer & Mikka Wellner, Resonanz, 2013
  20. Philip Gaißer, Echo Barrier, 2013
  21. Philip Gaißer, o.T. (Hydro Ballon), 2013
  22. Philip Gaißer, The Ground is Mine the Sky is Yours, 2013 (Installationsansicht)
  23. Philip Gaißer, One is Passing While I am Watching the Scene, 2013
  24. Philip Gaißer, One is Passing While I am Watching the Scene, 2013
  25. Philip Gaißer, One is Passing While I am Watching the Scene, 2013
  26. Philip Gaißer, o.T. (Hydro Ballon), 2013

und

PHILIP GAIßER
The Ground is Mine the Sky is Yours

Dunkelgraue Felswände und Molotow-Cocktails, die brennen und verschwinden, ohne nennenswerte Spuren zu hinterlassen. Ihr plötzliches Auftauchen unterbricht auf der Tonebene das Vogelgezwitscher, dem es nach dem Ausbrennen wieder Platz macht. Aus dem Augenblick und der Realität enthobene Bilder kreisen um verschiedene Zeitlichkeiten und um Fotografie selbst.

Die zugehörigen Publikationen erscheinen im Laufe der Ausstellungen.

***************
English version

Natalie Häusler
Impressionnisme

[…] The yellow has a thick
cream like texture. It is a state
not an image of itself. The sculptures are
hiding under blankets. Can the friend
solve the dispute between genders? How?
The friend has a gender too, I assume. […]

The prose poem „Impressionnisme“, twenty-four paintings with woodcut – one for each hour of the day – and the reocrdings for a sound collage came about during a six-month stay in Paris. They are an analysis of what spent time comprises in terms of factual content and overall substance.

Philip Gaißer
The Ground is Mine the Sky is Yours

Dark-grey rock faces and Molotov cocktails that burn and disappear without leaving any noticeable traces. The sound made by their sudden appearance interrupts the twittering of the birds, making space for it after the flames have died down.
Removed from the moment and reality, the images, revolve around different temporalities and photography itself.